Große Chance vertan

 

Nach zwei überlebenswichtigen Siegen mussten die Handballerinnen der SG H2Ku Herrenberg mit der bitteren 27:28-Heimniederlage gegen Aufsteiger HSG Kleenheim einen herben Rückschlag im Abstiegskampf der 2. Bundesliga einstecken.

 

06.03.2017, Kreiszeitung Böblinger Bote, von Harald Rommel

 

HERRENBERG. "Da werde ich mit der Mannschaft noch richtig ins Gericht gehen", schmerzte Trainer Hagen Gunzenhauser die Pleite, "das war ein ordentlicher Denkzettel." Ausreden ließ er keine gelten. "Diejenigen, die mehr Fehler gemacht haben, waren wir", nahm Gunzenhauser kein Blatt vor den Mund. "Diejenigen, die den Kopf zu spät eingeschaltet haben, waren auch wir." Zudem äußerte er Unverständnis darüber, weshalb nach den jüngsten Erfolgserlebnissen zunächst die Körpersprache überhaupt nicht stimmte. "Wir hatten zudem keine strukturierten Aktionen."

 

Nach dem 2:1 durch Kerstin Foth folgten drei Gegentreffer hintereinander zum 2:4. Den Herrenbergerinnen fehlte es an Durchschlagskraft, einzig Lea Neubrander, die einige verlockende Angebote auch aus der 1. Bundesliga ausschlug und in der kommenden Saison weiterhin das SG-Trikot tragen wird, war es zu verdanken, dass die SG H2Ku immer wieder herankam. Das 17-jährige Ausnahmetalent markierte die Tore zum 4:5 und zum 7:8, was bereits ihr fünfter Treffer von insgesamt acht war. Beim 7:10 platzte Hagen Gunzenhauser der Kragen. Da es nach seiner ersten Auszeit aber noch mieser wurde, entschloss er sich keine 180 Sekunden später beim 8:12 erneut, die Grüne Karte zu ziehen und seinen Kuties ordentlich die Leviten zu lesen.

 

Seine Miene hellte sich zwar kurzzeitig etwas auf, als Sulamith Klein und Kerstin Foth den 10:12-Anschluss schafften, doch noch vor der Pause vergab seine Truppe gleich zweimal die Möglichkeit, mit einem besseren Resultat als 13:15 die Seiten zu wechseln. "Wir müssen an die Grenzen und darüber hinaus gehen", forderte er in der Kabine - und war erst einmal glücklich, als Lena Degenhardt das 15:15 gelang. Doch anstatt weiter die Richtung vorzugeben, verfiel man in die alte Lethargie - 15:17. Nach einem listigen Treffer durch Anika Leppert, einem Gewalttakt von Lea Neubrander und einem wuchtigen Tor von Lena Degenhardt waren die Gastgeberinnen beim 18:17 im psychologischen Vorteil. "So schnell wie wir dieses eine Tor vorne waren, so schnell werfen wir den Ball auch wieder weg", fand der Herrenberger Trainer keine Erklärung, weshalb die Mannschaft ihre Nervosität nicht abstellen konnte. Wie nach dem 19:19, als Kerstin Foth beim Siebenmeter und Freya Stonawski auf Rechtsaußen gute Chancen liegen ließen. Immerhin gelang Rebecca Frey das 20:19.

 

Auch nach den erneuten Führungstreffern von Lisa Gebhard (21:20), Lea Neubrander (23:22) und Sulamith Klein (24:23) ließen die Gastgeberinnen jegliche Cleverness und Souveränität in der zuletzt viel gelobten Abwehr vermissen. "Ich kann es mir nicht erklären, weshalb wir in der Schlussphase nicht die Lösungen umsetzen, die wir uns unter der Woche erarbeitet haben", grantelte Hagen Gunzenhauser beispielsweise über die verpatzte Aktion von Lisa Gebhard, die zum 25:23 hätte führen können.

 

Dagegen zeigten sich die Gäste auch in den letzten acht Minuten nervenstark. 90 Sekunden vor Schluss hieß es 26:28. Die Chancen auf ein Remis waren nach dem verwandelten Siebenmeter von Lisa Gebhard bis zum Schluss intakt, doch die Kuties scheiterten im Abschluss wie schon bei den 20 Fehlversuchen zuvor. "Wir haben eine ganz große Chance vertan", haderte der Trainer.

 

SG H2Ku Herrenberg: Lide, Staudenmaier; Beddies, Gebhard (5/davon 1 Siebenmeter), Klein (4), Foth (4/2), Degenhardt (2), Berger, Stonawski (1), Frey (1), Leppert (2), L. Neubrander (8), S. Neubrander.

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